Die Mast´sche Nachlassmasse im Besenfelder Wald: Gemeinde Seewald

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Ein großer Privatwaldbesitzer

Zur Geschichte der Mast`schen Nachlassmasse im Besenfelder Wald

Wer auf der Alten Weinstraße von Besenfeld in Richtung Kaltenbronn wandert, kommt ca. 1 km nach der Neuhaushütte in den Bereich des „Schlossenwaldes“. Dort, rund 200 m von der Alten Weinstraße entfernt, erregt ein geheimnisvoller Sandstein am Wegrand unsere Aufmerksamkeit. Er trägt die Inschrift „Zum Andenken an Johannes Mast 1840 – 1915“. Was hat es für eine Bewandtnis mit diesem Stein? Handelt es sich um eine Grabstelle oder passierte hier gar ein Unfall? Wer war dieser Johannes Mast?

Zur Information darf auf die nachstehende Lebensgeschichte dieses Mannes verwiesen werden:

Johannes Mast 1840 – 1915 Geboren 25.10.1840 in Urnagold, jetzt Seewald-Urnagold, gestorben 1915 in Klosterreichenbach, jetzt Baiersbronn-Klosterreichenbach, Sohn des Hofbauern Johannes Mast und der Eva Maria, geb. Stoll [1]

 

Abbildung 1: Johannes Mast, 1840 - 1915

Johannes Mast (Sohn) hatte auf Markung Besenfeld 328 ha Waldgrundstücke. Diese Waldgrundstücke wurden nach seinem Tode in der sog. Mast`schen Nachlassmasse verwaltet. Letzter Forstwart, der diesen gesamten Waldbestand betreute, war Oberforstwart Karl Kappler, Urnagolder Str. 19, 72297 Seewald-Besenfeld. [2]

In seinem Testament verfügte Mast, dass der gesamte Nachlass „erst verteilt werden darf, wenn das letzte der Kinder meiner Geschwister gestorben und damit ausgeschlossen ist, dass ein weiteres Kind derselben nachgeboren wird“. [3]

Die sog. Mast`sche Nachlassmasse wurde laut Aussage von Oberforstwart Karl Kappler 1977 aufgelöst. 

Im Rathaus von B.-Klosterreichenbach gibt es eine Bildtafel zur Person Johannes Mast. 

Diese Bildtafel ist anlässlich des 900jährigen Jubiläums von Klosterreichenbach 1990 entstanden. Der Grafiker Artur Jäckle hat diese Widmung 1997 an die Herren Walter Ruoss und Erich Braun für die Ortschaft Klosterreichenbach übergeben. Der Text dieser Tafel lautet wie folgt:

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„Johannes Mast 1840 – 1915

Johannes Mast

Land- und Forstwirt, Holzhändler, geboren 1840 in Urnagold, gestorben 1915 in Klosterreichenbach. Ein erfolgreicher, eigenwilliger Mann der es in seinem Leben zu einem großen Vermögen gebracht hat. Er starb als Junggeselle, hatte aber eine Tochter die seinen Namen trug: Friederike Mast. In einem Internat in Korntal ist Friederike aufgewachsen, starb aber schon im blühenden Alter von 18 Jahren. In das Album das Friederike ihrem Vater hinterlies, schrieb Herr Mast selber viele Sprüche und Lebensweisheiten. Es ist daraus zu schließen, dass Herr Mast neben seinen vielen Holzgeschäften noch genügend Zeit und Muse hatte.

Johannes Mast verbrachte seine letzten Lebensjahre im Hause Friedrich Haisch in Klosterreichenbach. Wegen eines Schlaganfalls war er zuletzt des Schreibens kaum mehr mächtig. Bei seinem Tode hinterlies Herr Mast ein großes Vermögen. Unter anderem 600 000 Goldmark und 1000 Morgen Wald.

Zum Andenken dieses großen und seltenen Mannes wurde ihm im Waldteil „Schlossen“, seinem Wald, ein Gedenkstein in Form eines großen Findlings aufgestellt.

Abbildung 2: Gedenkstein zum Andenken an Johannes Mast im Schlossenwald, Besenfeld

Ehre seinem Andenken“ [4]

Auf dieser Tafel ist noch der nachstehende Spruch vermerkt:

„Durch Arbeitsamkeit, Sparsamkeit, Opferwilligkeit usw. hochgebracht, wer diese Tugenden hat, gehört zur Elite der menschlichen Gesellschaft.

20. Januar 1902 

Johannes Mast“

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Der Familienchronik von Andreas Finkbeiner, geboren 18.8.1862, Besenfeld, gestorben 22.8.1941, Besenfeld entnehmen wir: „Um das Jahr 1840 hat der Hofbauer in Urnagold namens Mast (dem Joh. Mast, jetzt Mast`sche Nachlassmasse sein Großvater), baute für einen Sohn nämlich dies Obere Bauernhaus (vermutlich heutiges Gebäude 8, Urnagold Heinz Werner) für einen zweiten Hof, zur Hälfte wie die 13 Bauern es ja alle gemacht haben.“[5]

Der erste Hof befand sich wohl am heutigen Standort des Gebäudes Urnagold 26, Albert Matt [6]

Interessanterweise enthält diese Familienchronik eine weitere Aussage zu Johannes Mast: „“Der sog. Bauers Hans bzw. Johannes Mast (jetzt Nachlassmasse) war aus dem jetzt abgebrochenen unteren elterlichen Haus, u. war auch Besitzer zur Zeit schon. Dieser ledige Mensch hat der Wittfrau, meiner Base, das heiraten versprochen (wie ja noch viele) Diese bekam ein Kind in ihrer Wittfrauschaft. Mast hielt aber sein Versprechen nicht. Der Bauers Hans hats der Wittfrau geleugnet betreffs der Vaterschaft von dem kleinen Mädel namens Friedericke Mast.“ [7]

„Der Joh. Mast hat dann den ganzen oberen Hof gekauft Haus, Feld u. Wald. Den alten ursprünglichen Hof mit Haus erhielt er ja schon lange von seinen Eltern. [8] 

„Johannes Mast verkaufte zur selbigen Zeit sein altes elterliches Haus auf den Abbruch nach auswärts. Das obere stand lange Zeit leer. Mast zog nach Wildbad u. handelte dort mit Langholz nach Mannheim im Floß u. lud Schnittwaren darauf in der Enz u. Nagold, u. kaufte nebenbei die Wälder zusammen, aber nur solche, wo er konnte so viel Geld raushauen, daß man es dem Wald gar nicht ansah. Ein andrer wurde überhaupt nicht gekauft. Und so brachte Mast mit der Zeit tausend Morgen zusammen u. noch hundert tausend Mark Geld in bar.“ [9]

Johannes Mast hatte eine Schwester Eva. Diese ist am 14.1.1843 geboren und am 13.10. 1887 in Klosterreichenbach verstorben. Sie war in 2. Ehe mit Friedrich Haisch verheiratet [10] Es handelte sich hier um den Sägewerksbesitzer Friedrich Haisch. Standort des Sägewerks am Bahnübergang in Klosterreichenbach in der Ortsmitte. In der Villa des ehemaligen Sägewerks wird heute das Seniorenheim am Kurgarten betrieben. Ein Großbrand vernichtete das Sägewerk. Das Sägewerk war ca. in den 1950er Jahren in Konkurs gegangen. 

Nach Auflösung der Mast`schen Nachlassmasse wurden die umfangreichen Waldungen größtenteils von den Erben veräußert.

 

Oktober 2013

Ernst Schebetka

[1] Familienreg.Bd.I Bl. 98 f., Standesamt Besenfeld

[2] Aussage Karl Kappler, August 2013

[3] Testament vom 7.7.1910, § 2 

[4] Tafel im Flur Rathaus B-Klosterreichenbach(Um die Aussagekraft nicht zu verändern, wurden Ausdruck und Schreibweise wörtlich übernommen).

[5] Familienchronik Andreas Finkbeiner vom 3.2.1931, S. 12 (Ausdruck und Schreibweise wurden wörtlich übernommen)

[6] Vermutung des Verfassers, bislang nicht belegt

[7] Familienchronik Andreas Finkbeiner vom 3.2.1931, S. 18

[8] Familienchronik Andreas Finkbeiner vom 3.2.1931, S. 18

[9] Familienchronik Andreas Finkbeiner vom 3.2.1931, S. 19

[10] Familienreg. Bd. IBl. 98, Standesamt Besenfeld